Simon auf Weltreise

Meine Abenteuer in Neuseeland und Südamerika 2008/2009

“Carneval” oder: ein Land im Ausnahmezustand

Posted on | Februar 24, 2009 | No Comments

Der Zufall wollte es so, dass ich nach dem Abstecher in die Pampas dem Land Bolivien immer noch treu geblieben bin. Warum auch nicht? Hier ist alles unglaublich billig und es gibt tausende faszinierende Dinge zu sehen. Zum Beispiel der Carneval “El Diabolo” in Oruro, einer der bekanntesten in ganz Suedamerika. Dass Carneval hier nicht eine laeppische “wir-verkleiden-uns-und-versuchen-lustig-zu-sein-Veranstaltung” ist wie in Deutschland hat man ja bereits in den Tagen und Wochen zuvor hier mitbekommen, als ueberall in Bolivien kleine Kinder mit Wasserbomben Jagd auf alles und jeden machten. Carneval bedeutet hier schlicht und einfach: 5 Tage Spass, Party, Alkohol, Wasserschlachten, Ausnahmezustand. Wir - Jakob (Australien), Jo (England), Jaqueline (Holland) und ich - wollten alles hautnah miterleben und sind also auch fuer ein paar feucht-froehliche Tage und Naechte in die Hochburg nach Oruro gefahren. Ausgeruestet mit riesigen Wasserpistolen haben wir uns so in die Menge gewagt, um uns vor den kleinen, schiesswuetigen Kindern ein wenig Respekt zu verschaffen. Nach drei Tagen Party hatte ich schliesslich genug von dem Zinober und machte mich wieder auf den dreisteundigen Weg zurueck nach La Paz, nicht jedoch ohne im Bus ein weiteres, drittes(!) Mal gequaelt zu werden mit “Under Siege 2″, dem wohl schlechtesten Actionfilm alles Zeiten…

Bolivia im Schnelldurchlauf

Posted on | Februar 19, 2009 | 2 Comments

Es hat sich einiges getan hier auf meiner Reise in Bolivien. Seit langer Zeit habe ich hier in La Paz nun endlich mal wieder Wireless Internet, und damit auch die Moeglichkeit, einen schon fast vergessenen Blog-Eintrag online zu stellen, den ich vor etwa 2 Wochen geschrieben habe. Als ich ihn gerade nochmal ueberflogen, musste ich feststellen: Wow, es hat sich wirklich einiges getan in den letzten Tagen und Wochen. Inzwischen komme ich gut zurecht hier, der Kulturschock ist sozusagen ueberwunden. Stunden- und tagelange Busfahrten werden zur Gewohnheit, naechtliche Spaziergaenge und Kneipenbesuche werden selbstverstaendlich und auch die spanische Sprache ist mir nicht mehr so fremd wie zu Beginn.
Ich glaube, ich kann zweifellos sagen, dass die letzten zwei Wochen wohl die faszinierendsten Tagen meiner bisherigen Reise waren: Wueste, Silberminen, Lagunen, Salzseen, Grossstadt, Dschungel, Pampas, Alkohol, und viele nette Menschen… Sehr schwer, das alles in einem einzigen Blog-Eintrag unterzubringen.
Naja, ich versuchs trotzdem mal und starte einfach mal genau dort, wo der letzte Beitrag aufgehoerte.

Aus der Busfahrt von Sucre nach Potosi wurde leider nichts, da wir den letzten Bus um 18 Uhr verpasst haben. Da Marc und Adam allerdings ein wenig unter Zeitdruck standen und noch am selben Abend in Potosi sein wollten, nahmen wir kurzerhand ein “Express Taxi” fuer die 2,5stuendige Fahrt. Im Nachhinein war die Entscheidung gar nicht so schlecht. Wir mussten im Vergleich zum Bus nur 1-2 Euro mehr zahlen und konnten dafuer eine konfortable und schnelle Reise geniessen.
Potosi nennt sich selbst die “hoechstgelegene Stadt der Welt” mit dem hoechstgelgegenen Flughafen weltweit. Ob das wirklich stimmt, kann ich nicht bestaetigen, aber ein wenig durchschnaufen musste man allemal, nachdem man die Treppen zur 3.Etage des Hostels erreicht hatte. Die Stadt Potosi ist vor allem beruehmt fuer seine Silberminen, was dazu fuehrte, dass vor langer Zeit hier einmal die reichste (und groesste) Siedlung Suedamerikas lag. Der Reichtum ist inzwischen ein wenig verflogen, die Minen werden allerdings noch immer betrieben. Grund genug, an einer Tour zu den Minen teilzunehmen, wo hunderte Menschen tagtaeglich unter menschenunwuerdigen Bedingungen ihren Lohn verdienen. Erste Station war ein Markt, wo wir Geschenke fuer die Arbeiter kaufen konnten. Wir entschieden uns fuer ein wenig Dynamit und eine Flasche Cola und machten uns mit Headlight und Helm auf den Weg zum Eingang der Minen. Von dort kaempften wir uns durch schmale Duchgaenge und ueber Leitern hinab bis ins 4.Level, wo wir einige Arbeiter bei der schweisstreibenden Arbeit helfend zur Hand gehen konnten. Da alle Minenarbeiter “selbststaendig” arbeiten, also selbst fuer Dynamit, Werkzeug etc. aufkommen muessen, nahmen sie unsere Geschenke natuerlich dankbar entgegen. Aus Geldmangel muessen die meisten Arbeiter komplett auf jegliches elektronisches Werkzeug verzichten und sich nur mit Hammer und Meissel vorarbeiten, was die Arbeit natuerlich noch muehsamer macht. Wieder zurueck an der Oberflaeche durften wir schliesslich auch selbst ein wenig Dynamit zuenden und konnten so dessen gewaltige Wirkung mit eigenen Augen nachvollziehen.
Bevor es am naechsten Tag weiter nach Uyuni gehen sollte, besuchten wir am abend - auf Einladung von unserem Guide - schliesslich noch ein Fussballspiel der Copa Lipertadores. Leider besiegten die brasilianischen Gaeste das Team aus Potosi. Naja, war trotzdem ganz nett, wenn auch ein wenig kalt dort auf ueber 4000 Meter Hoehe.

Hostel in Potosi Auf dem Weg zu den Minen Mein Geschenk an die Minenarbeiter Potosi Eingang zu den Minen In den Minen von Potosi Juhu, ich habe Silber gefunden Minenarbeiter Zuenden von Dynamite Bang, Bang Fussball in Potosi Potosi bei Nacht

Die achtstuendige Busfahrt nach Uyuni verlief zwar durch atemberaubende Landschaft, war aber ansonsten ereignislos. Uyuni selbst ist eine kleine Stadt, die scheinbar voellig vom Tourismus zu leben scheint, und somit Ausgangspunkt ist fuer die Touren zum beruehmten Salzsee (Salar de Uyuni) und den zahlreichen Vulkanen und Lagunen in der “naehreren” Umgebung. Ein Tour Operator reiht sich dort an den naechsten und versucht, Touristen zu ueberzeugen, bei ihm zu buchen. Wir haben uns also auch fuer eine 3-Tages-Tour bei einem netten kleinen Anbieter entschieden und am naechsten Morgen ging es dann auch schon los. Unser Jeep war ok, wenn auch etwas alt (aelter als ich), etwas langsam, etwas eng und ohne Musik-Anlage, das Essen war erstaunlicherweise richtig gut, und meine Mitfahrer (neben Adam, Marc und mir kamen noch ein Daene, ein Hollaender und ein Australier dazu) waren auch sehr nett. Gemeinsam verbrachten wir also drei Tage inmitten einer der faszinierendsten und atemberaubendsten Landschaften, die ich je gesehen habe: Der groesste Salzsee der Welt, duzende wunderschoene Lagunen mit Flamingos, trockene Wuesten, seltsame Steinformationen, verlassene Doerfer im Nirgendwo, Hot Springs und Minusgrade. Es waere muessig, hier an dieser Stelle ueber jede Einzelheit zu berichten. Aber ich denke, die Bilder sprechen deutliche Worte…

Auf dem Weg nach Uyuni Das Office unseres Tour Operators Zug-Friedhof Salar de Uyuni Salar de Uyuni Salar de Uyuni Salz-Hotel Im Jeep Isla del Pescado Isla del Pescado Ein Lama San Juan Uyuni im Hintergrund Lagune mit Flamingos Noch eine Lagune Flamingo beim Flugversuch Wueste Mittagspause in der Wueste Laguna Colorada Hot Springs

Nach einem erholsamen Tag zurueck in Uyuni und einer weiteren ca. 15stuendigen Busfahrt erreichte ich schliesslich La Paz, wo ich mich mit Ben, dem Hollaender, den ich auf der Tour in Uyuni kennenlernte, treffen wollte. Gemeinsam wollten wir es wagen und uns fuer eine Woche in den bolivianischen Dschungel verabschieden. Jaqueline, auch aus Holland, schloss sich uns an. Zuvor jedoch hatte ausreicchend Gelegenheit, die groesste Stadt Boliviens ein wenig naeher zu erkunden. Zeit genug, um unter anderem dem Gefaengnis von La Paz einen Besuch abzustatten. Gefuehrt von einem ehemaligen Insassen konnte man so einen Einblick in das reale Leben der Gefangenen gewinnen. Zwar wurde uns von brutalsten und unheimlichsten Morden und sonstigen Geschehnissen berichtet, allerdings machte das Gefaengnis auf mich nicht den Eindruck, dass sich die Insassen allzu schlecht fuehlen. Alles schien eher wie ein “kleines Dorf”, mit diversen Verkaufsstaenden, Fernsehern und sogar einem Fussballfeld.

Prison San Pedro in La Paz Im Prison von La Paz Gefaengnis von La Paz Im Prison San Pedro Ueber den Daechern von La Paz La Paz

Am naechsten Morgen ging die Reise schliesslich los. Die “Strasse” hinab in die Jungas war in denkbar schlechtem Zustand und die tausenden Schlaglaecher und Steine machten das Reisen nicht unbedingt angenehm, aber trotzdem erreichten wir schliesslich nach etwa 18 Stunden wohlbehalten unser Ziel in Rurrenbaque. Obwohl es erst halb sechs Uhr morgens war, war ein Hostal schnell gefunden, direkt am Fluss und mit supertollen Haengematten. Unserer 3-Tages-Tour stand also nichts mehr im Wege.
Nach einer dreistuendigen Jeeptour erreichten wir (neben Ben und Jaqueline waren zwei weitere Hollaenderinnen sowie drei Briten mit an Bord) schliesslich ein kleines Doerfchen mit einem Restaurant fuers Mittagessen. Dort dann ein erster Einblick in das, was uns in den kommenden Tagen erwartet: ein riesen Stacheltier-Schwein-Wasauchimmer unter dem Essens-Tisch und ein Spider Monkey, ein Affe mit unglaublich langen Armen und Fuessen, gleich daneben. Der Affe wusste natuerlich sofort, was zu tun war, und zoegerte nicht, gleich auf meinen Ruecken und meinen Kopf zu klettern. Seltsames Gefuehl. Nun gut, die fernen Auslaeufer des Amazonas waren von dort nicht mehr weit und so konnten wir schliesslich am Nachmittag endlich auf ein schmales Boot uebersetzen. Die folgenden zwei Stunden Boots-Fahrt zu unserer Unterkunft gaben dann einen ersten Einblick in die vielfaeltige Tierwelt der Pampas: hunderte verschiedene Vogelarten, pinke Delphine, grosse Affen, kleine Affen usw…
Angekommen bei der Unterkunft dann wieder die naechste seltsame Entdeckung: Ein grosses Krokodil direkt vor der Anlegestelle. Unser Guide erklaerte uns, dass sei unser Haustier mit dem Namen Pedro und so konnten wir uns schnell mit ihm anfreunden und es sogar ein wenig streicheln. Dass allerdings nicht mit allen Tieren zu scherzen ist, wurde uns allerdings gleich darauf klar, als er ein 6 Meter Kaiman mit einem Stueck Fleisch anlockte, welches er dann kurzum mit einem Bissen verschlang. Dieses Tier moechte ich lieber nicht streicheln. Den ersten Tag liessen wir dann gemuetlich bei Kartenspiel, Bier und auf den Haengematten ausklingen.
Der zweite Tag begann mit der Suche nach Anacondas auf einer weiten Sumpfflaeche etwa eine halbe Stunde Bootsfahrt von der Unterkunft entfernt. Leider hat es in der Nacht viel geregnet, so dass wir zwar staendig knietief im Wasser versanken, aber ausser tausenden Mosquitos, riesen Heuschrecken und Blutegeln leider keine Anaconda finden konnten. Aufregend war es trotzdem, da jeder alleine in eine Richtung geschickt wurde, um nach dem riesen Tier zu suchen und man staendig damit rechnen musste, ploetzlich von der Riesenschlange umzingelt zu werden. Naja, ich hatte mich ja Gott sei Dank mit meinem Schweizer Taschenmesser bewaffnet, ich bin mir gewesen, ich haette es besiegen koennen ;-)

Den Rest des Tages verbrachten wir mit einem Bad im dreckigen, aber angenehmen Fluss, um mit den pinken Delphinen zu schwimmen, denen es sichtlich genauso viel Spass machte wie uns selbst. Erfrischend war das Bad allemal, da man bei den etwa 30 Grad Lufttemperatur trotzdem staendig mit langer Kleidung herum gelaufen ist, um nicht staendig von den Mosquitos gestochen zu werden. Ein weitere Hoehepunkt folgte dann nach Einbruch der Dunkelheit als wir uns mit Taschenlampen bewaffnet wieder auf den Weg ueber den Fluss machten. Wenige Minuten von der Unterkunft entfernt fanden wir schliesslich das, wonach wir suchten: Ein Mini-Krokodil, wenige Monate alt, knapp 20 Zentimeter gross und schwach genug, damit ich es ohne grosse Gefahr in den Haenden halten konnte.

Nach einem weiteren Bad mit den Delphinen am naechsten Morgen ging es wieder langsam aber sicher auf den Rueckweg in Richtung Zivilisation. Nach einer letzten feucht-froehlichen Nacht auf denn Strassen Rurrenbaques machten wir uns schliesslich am naechsten Morgen wieder auf die lange Rueckreise nach La Paz. Unsere Wegbegleiter entschlossen sich allesamt fuer einen teuren Rueckflug nach La Paz, den sie schon im Voraus gebucht hatten, und so begab ich mich allein mit Jaqueline wieder auf die Busfahrt zurueck in die “Hauptstadt”.

Auf dem Weg nach Rurrenbaque Auf dem Weg nach Rurrenbaque Hostal in Rurrenbaque Auf dem Weg in die Pampas Seltsames Wildschwein Spider Monkey Mit dem Boot durch die Pampas Schildkroeten Kleiner Affe Unser Haustier Pedro Kaiman Auf der Suche nach Anacondas Riesige Heuschrecke Swimming with Dolphins Sonnenuntergang in den Pampas Mini-Krokodil Riesen Spinne Zurueck in Rurrenbaque

Ein wenig muede, aber wohlauf sind wir nun hier im etwas teureren aber luzurioesen Loki-Hostel in La Paz angekommen, wo ich endlich mal wieder Wireless Internet-Zugang geniessen kann. Morgen solls aber auch schon wieder weiter gehen. Wahrscheinlich zum beruehmten Carneval nach Ururo. Ist aber noch nicht sicher, da die Unterkuenfte dort schon seit Wochen ausgebucht sind. Wir werden trotzdem versuchen, irgendetwas brauchbares zu finden. Mal sehen, ob das klappt…

Una cerveza, por favor

Posted on | Februar 5, 2009 | 1 Comment

Edit: Sorry, der Artikel ist schon etwas aelter. Leider kam ich erst gerade jetzt dazu, ihn online zu stellen…

Wenn ich mich recht erinnere, war das (”Una cerveza, por favor”) mein erster spanischer Satz, als ich im Flugzeug nach Buenos Aires ein Bier haben wollte. Seit etwa einer Woche bin ich nun schon in Suedamerika unterwegs, und das meiste kommt mir immer noch ganz schoen spanisch vor. Aber obwohl ich fast jedes Mal aufs Neue ueberfordert bin, wenn mich am Busterminal oder sonst wo irgendjemand auf Spanisch voll quatscht, hat doch eigentlich bisher alles ganz gut hingehauen: Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben erfolgreich Taxi gefahren, habe schon einige Busfahrten in Bolivien hinter mir, war auch schon abends bei Dunkelheit auf Boliviens Strassen unterwegs und habe erfahren, dass das Kaufen einer einfachen Cola ganz schoen lustig werden kann. Doch dazu spaeter mehr…

Im Moment sitze ich hier mit meinem Notebook auf dem zentralen Plaza von Sucre, der offiziellen Hauptstadt Boliviens. Man kann es kaum glauben, aber ja, hier gibt es free wireless Internet. Morgens wimmelt es hier von Studenten, Schuelern und zahlreichen Polizisten, und so fuehlt man sich eigentlich alles andere als unsicher. Eigentlich koennte es auch in jeder spanischen oder sueditalienischen Kleinstadt so aussehen. Leider gibt es natuerlich auch viele, bettelnde Strassenkinder. Hier auf diesem Platz wollen sie meistens Schuhe putzen und so ein paar Pesos dazu verdienen. Gerade eben hat sich einer von diesen Jungen neben mich gesetzt, nachdem ich ihm erklaert habe, dass meine Schuhe schon sauber sind. Er meinte, eigentlich sollte er jetzt zur Schule gehen, aber er hat heute keine Lust bis um sechs Uhr zu lernen und putzt lieber noch ein paar Schuhe um ein wenig Geld zu verdienen. Nunja, ein wenig scheint er wenigstens schon gelernt zu haben, zumindest wusste er, dass Angela Merkel die deutsche Bundeskanzlerin ist und dass Berlin die Hauptstadt ist. Eigentlich nicht schlecht. Ich habe ihm dann ein paar Pesos geben, er hat sich ein Eis gekauft und sich artig bedankt. Sehr nett!

Mein letztes Bild aus NZ Die breiteste Strasse der Welt In La Boca Stadion der Boca Juniors La Racoletta Friedhof Auf dem Racoletta Friedhof

Gestern morgen bin ich hier in Sucre angekommen, sozusagen meiner dritten Station in Suedamerika. Die ersten drei Tage verbrachte ich ja noch in Buenos Aires, Argentinien, einer sehr maechtigen, grossen Stadt, deren Zentrum sehr einer europaeischen Grosstadt gleicht (auch preislich). Leider hatte ich ein wenig mit meinem neuseelaendischen Jetlag zu kaempfen, und so blieben mir im Prinzip nur zwei Nachmittage/Abende zur Stadterkundung. Den von Andy empfohlenen Tagesauflug nach Uruguay konnte ich daher zwar nicht wahrnehmen, aber einen ersten Eindruck von Suedamerika habe ich trotzdem bekommen. Zum Beispiel beim Spaziergang/Wanderung nach La Boca, einem der aermsten Viertel von B.A. und Heimat der bekannten Boca Juniors, deren 80.000-Zuschauer-Stadion dort einfach mal so inmitten der Wohnblocks steht. Umgeben von kleinen Kindern, die mitten in der Sonne auf der dreckigen Strasse liegen und schlafen (oder Fussball spielen), verfolgt von ausgehungerten Strassenkoetern und beaeugt von zahlreichen anderen Bewohnern, ist es dann doch auf jeden Fall ein unglaublich seltsames Gefuehl, dort seine digitale Spiegelreflex-Kamera aus dem Rucksack zu holen und Fotos zu schiessen.
Mein Weiterflug am Samstag nach Santa Cruz en la Sierra wurde leider auf 8 Uhr morgens verschoben, so dass ein Taxi die einzige sinnvolle Variante war, rechtzeitig am Flughafen angekommen. Die erste Taxifahrt in meinem Leben (nein, das ist kein Scherz!) verlief allerdings recht ereignislos, genauso wie der Flug selbst.

Kathedrale in Santa Cruz Santa Cruz Main Plaza in Santa Cruz Restaurant in Santa Cruz Carneval in Santa Cruz Carneval in Santa Cruz

Angekommen am Flughafen in Santa Cruz - wolkenlos bei etwa 30 Grad - dann die erste Konfrontation mit den bolivianischen Eigenarten. Kontrollen am Flughafen? Fehlanzeige! Tueren am Bus? Fehlanzeige! Strassenschilder, Ampeln, geteerte Wege? Fehlanzeige! Englischsprechende Menschen? Nein, natuerlich auch nicht! Nunja, es war eine krasse Umgewoehnung, aber irgendwie hab ich mich trotzdem zurecht gefunden. Nachdem ich im Hostel (3 Euro pro Nacht) eingecheckt habe, konnte ich mich erst einmal bei einem leckeren Steak mit frisch gepresstem Orangensaft (ca. 4 Euro insgesamt) ordentlich erhohlen. Die naechste seltsame Aktion folgte aber gleich danach, als ich mir in einem kleinen Strassenladen eine ganz normale Flasche Cola kaufen wollte. Eigentlich war alles klar: der etwa 8jaehrige Verkaufer hat mich verstanden und ich habe gezahlt. Dann fragte er mich noch: “En una bolsa?” (bolsa=Tasche), worauf ich meinte “Si, por favor” - so ne Plastiktuete kann man ja immer mal gebrauchen. Ich dachte, damit sei alles klar, doch was macht der Kerl? Er schraubt die Flasche auf und giesst den Inhalt(!) in die Plastiktuete! Ich konnte ihn noch rechtzeitig abhalten, bevor die Flasche leer war, und bin dann etwas verwirrt mit der halbleeren Flasche aus dem Laden gelaufen. Soll ich aus der Plastiktuete trinken oder wie!? Abends gabs dann noch bei unglaublich toller und friedlicher Stimmung einen netten Karnevalsumzug zu bestaunen, bevor ich dann am naechsten Tag am Bus-Terminal noch den allerletzten Platz im Nachtbus nach Sucre ergattern konnte. Obwohl der Zustand der Strassen unglaublich schlecht war und der Bus mitten in der Nacht auch noch eine kleine Panne hatte, war die 15stuendige Busfahrt doch recht angenehm. Zumindest haben sich die 5 Dollar Aufpreis fuer einen “bus cama” auf jeden Fall gelohnt, so dass ich zumindest mit ein wenig Schlaf am Morgen in Sucre ankam.

Sucre Empanada Auf dem Weg zum Kletterfelsen Rock Climbing Ich beim Roch Climbing Unser Team beim Rock Climbing Sucre Sucre bei Nacht

Ausgestattet mit meiner neuen Reiselektuere “Die Saeulen der Erde”, gekauft fuer knapp 3 Euro beim Book Exchange des Restaurants ‘El German”, traf ich schliesslich zufaellig auf eine von einem Belgier betriebene Kneipe, wo man kleine Touren in der Umgebung (Horse Riding, Hiking, Rock Climbing, etc.) buchen konnte. Ich habe mich fuers “Rock Climbing” entschieden, und so fand ich mich heute morgen zusammen mit drei Briten, einer Hollaenderin und unserem bolivianischen Guide am Fusse einer knapp 30 Meter hohen Felswand wieder, die es mit Helm, Seil und Karabiner auf verschiedenen Routen zu besteigen galt. Ich bin bisher zwar schon viel gewandert, aber noch nie so richtig an einer steilen Wand geklettert, aber ich muss sagen: Wow, das macht riesen Spass, auch wenn man durchaus die knapp 3000 Meter Hohe spuert und gerade die letzten Versuche ziemlich ermuedend waren.

Jetzt sitze ich also hier in der Sonne mitten im schoenen Sucre, spuere ein wenig meine Muskeln vom Klettern, und bin froh, dass mich der Hostel-Owner in S.C. dazu ueberredet hat, ueber Sucre und nicht ueber Cochabamba nach Uyuni zu fahren. Zusammen mit den beiden Briten Adam und Marc, die ich heute beim Klettern kennengelernt habe, werde ich wsl. noch heute abend weiter nach Potosi (4000 Meter) fahren. Alleine reisen ist naemlich ganz schoen anstrengend, ein wenig Gesellschaft tut sicher ganz gut…

Sweet as bro!

Posted on | Januar 28, 2009 | 1 Comment

Puh, geschafft! Back in Auckland! Ich kann’s noch gar nicht glauben, dass ich in ein paar Stunden im Flieger nach Buenos Aires sitzen werde und das schoene Neuseeland hinter mir zurueck lassen muss. Die Zeit vergeht momentan einfach viiieeel zu schnell…

In der vergangenen Woche konnte ich zumindest noch einmal in vollen Zuegen die neuseelaendische Einzigartigkeit geniessen. Nach einer Uebernachtung in einem netten Hostel (das Wort “Farm” trifft es wohl eher) im Norden Otagos machte ich mich auf zum Mt. Cook National Park. Nein, diesmal bin ich nicht gewandert, aber in einem huebschen Museum und auf einem kleinen Spaziergang zu einer Aussichtsplattform bekam man trotzdem einen recht schoenen Blick auf den Gipfel und einen guten Einblick in die Geschichte und die Besonderheiten des hoechsten Bergs in Neuseeland (3750m).

Weiter gings durch das wunderschoene Mackenzie-Country zum Lake Tekapo, wo ich ein letztes Mal mein Zelt auspackte und am Abend den wohl tollsten meiner bisherigen Sonnenuntergaenge hier in Uebersee erleben konnte. Ich denke, die Bilder unten sprechen fuer sich…

Hostel in North Otago Auf dem Weg zum Mt. Cook Mt. Cook National Park Museum am Mt. Cook Am Fusse des Mt. Cook Mt. Cook National Park NZ Flagge Zeltplatz am Lake Tekapo Soonenuntergang am Lake Tekapo Soonenuntergang am Lake Tekapo

Nach einer weiteren, stundenlangen Autofahrt zum Arthur’s Pass und meiner ersten Uebernachtung auf meiner Reise in einem “Nicht-BBH-Hostel”, stand schliesslich meine letzte Wanderung hier in NZ auf dem Programm. Ziel war der Avalanche Peak auf etwa 1800 Metern. Die Wanderung selbst verlief endlich mal wieder auf einem richtigen “Tramping Track”, also ohne breitem Wanderweg, mit steilen Anstiegen, ueber hohe Steine und durch alpine Landschaft. Das Wetter war allerdings hervorragend, so dass es am Gipfel zwar unglaublich windig, aber ansonsten recht einfach zu wandern war. Oben angekommen, bekam ich sogar einen seltenen Kea-Vogel zu Gesicht.

Auf dem Weg zum Arthurs Pass Castle Hill Am Avanalche Peak Ein Kea Ausblick vom Avalanche Peak Schafherde mitten auf der Strasse

Zurueck in Christchurch, der groessten Stadt auf der Suedinsel, habe ich mich erst einmal mit Jason, meinem ehemaligen Arbeitskollegen, und seiner Freundin Rachel getroffen. Gemeinsam konnten wir dann das sonnige Wetter bei ein paar Bierchen im Park geniessen. Frisch rasiert und wieder mit kurzen Haaren musste ich dann am Sonntag mittag aber endgueltig aufbrechen zu meiner zweitaegigen Autofahrt von Christchurch zurueck nach Auckland. Unterwegs musste ich leider feststellen, dass es doch keine so gute Idee war, das bereits abgelaufene Speight’s Bier am Vorabend zu trinken (gab es halt im Supermarkt zum Super-Sonderpreis zu kaufen), aber nichtsdestotrotz kam ich dann gestern nach zwei Ubernachtungen unterwegs und gefuehlten 40 Grad im Auto wieder gesund und munter in Auckland an.

Dort gabs gestern dann noch ein Abschiedsbier mit Bon und Ivone, einen letzten Besuch beim deutschen Stammtisch und eine letzte Uebernachtung auf neuseelaendischem Boden in meiner ehemaligen flat in Ponsoby. Das Auto habe ich auch wieder abgegeben - nach ueber 5 Wochen und mehr als 6000km.

Hier sitze ich also nun und warte auf Bon, der mich zum Flughafen fahert. Wieder nur mit einem grossen (und einem kleinen) Rucksack als einzigen Besitz ausgestattet und bereit fuer weitere acht abenteuerliche Wochen in Suedamerika.
In diesem Sinne: Sweet as, no worries und good bye New Zealand!

Artisten am Cathedral Square Ein Auto am Haus Jason and Rachel Godd bye, South Island Tongariro National Park Sonnenutergang am Lake Taupo Ivone Bon Bereit zum Abflug

Schafe, Seeloewen, Simpsons und Speight’s

Posted on | Januar 22, 2009 | 1 Comment

Diese Ueberschrift klingt zwar ein wenig zusammenhangslos, gibt aber trotzdem ungefaehr die erwaehnenswerten Dinge wieder, die sich in den letzten Tagen so ereignet haben. Zunaechst fuehrte uns der Weg durch die ‘Catlins’ - einem abgelegenen Nationalpark im suedlichsten Sueden der Suedinsel von NZ. Eigentlich auf der Suche nach Pinguinen, Seerobben und sonstigen See-Ungeheuern fanden wir dort ausser Ziegen, tausenden Schafen und viel Regen eigentlich vor allem ‘Nichts’ - im wahrsten Sinne des Wortes. Mehr Glueck bei der Tier-Suche hatte ich gluecklicherweise ein paar Tage spaeter bei einem Abstecher auf die Otago Halbinsel bei Dunedin. Hinter hohen Sandduenen versteckt fand ich sie dort endlich: Seeloewen in freier Wildbahn. Menschenscheu sind sie ueberhaupt nicht, naeher als 4-5 Meter hab ich mich dann doch nicht an diese furchteinfloessenden 300kg Kolosse gewagt. Ein paar schoene Bilder sind trotzdem entstanden. In Dunedin selbst stand erst einmal eine Bier-Tour auf dem Programm, keine gewoehnliche Kneipen-Tour, sondern eine Tour durch die Speight’s-Bier-Brauerei, eine der bekanntesten und aeltesten in NZ. Gelohnt hat sie sich vor allem aufgrund der letzten 30 Minuten. Dann durfte naemlich jeder (so oft er wollte!!!) sein Bier selbst zapfen und mit den verschiedendsten Speight’s-Biersorten seinen Durst stillen.

Ein Simpsons/South Park Bus Eine Ziege Schwarze Schafe Weisse Schafe Im suedlichsten Sueden der Suedinsel An diesem Strand gibt es Seeloewen Seltsame Pflanzenkreatur Schlafenden Seeloewen Seeloewen

Fuer Max war der Urlaub dann erstmal vorbei, da er leider zum Arbeiten wieder nach Auckland musste. Nachdem ich ihn am Flughafen abgesetzt hatte, nahm ich mir allerdings auch erstmal eine 2-taegige Urlaubs-Auszeit, um endlich meinen Praktikumsbericht zu schreiben. Hat sich sogar gelohnt, denn bis auf zwei Seiten ist er nun fast fertig.

So langsam aber sicher geht dann auch fuer mich meine Zeit in Neuseeland zu Ende. Ein letzter Blogeintrag aus NZ erfolgt dann wohl wieder aus Auckland - mit einigen Impressionen meiner hoffentlich erfolgreichen Rueckreise auf die Nordinsel und mit schoenen Bildern von meinem derzeitigen Aufenthaltsort im Mackenzie-Country (der Sonnenuntergang heute war mit Abstand der schoenste meiner gesamten NZ-Zeit).
Bis dahin werde ich schon mal geistig ein wenig ‘Good-bye NZ’ sagen … und mir endlich ein Spanisch-Woerterbuch anschaffen!


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