Simon auf Weltreise

Meine Abenteuer in Neuseeland und Südamerika 2008/2009

Dem Ende entgegen…

Posted on | März 23, 2009 |

Update: 25.03.09, siehe unten

Tja, was soll ich sagen? Ich bin inzwischen (fast) am Ziel meiner Reise angekommen, eigentlich habe ich nur noch eine einzige Busfahrt/Taxifahrt vor mir, und das ist die vom Hostel zum Flughafen in Bogota. Fuehlt sich gut an, und fuehlt sich anstrengend an. Ich bin froh, dass es mir noch gut geht und ich bin froh, dass ich bald wieder in gewohntem Umfeld bin, ein geordnetes Leben leben kann, denn das staendige Reisen, Busfahren, Hostel suchen, Adventure, Leute kennen lernen, Socialising und so weiter ist ganz schoen ermuedend. Besonders, wenn man so wenig Zeit hat wie ich und trotzdem moeglichst viel erleben will. Viel erlebt habe ich mal wieder in den vergangenen Tagen. Ich bin bei Schneeregen auf etwa 5000 Meter Hoehe gewandert, habe nachts um 5 Uhr meinen Rucksack erfolgreich gegen einen Halunken verteidigt, wurde unter gewaltigen, eiskalten Wassermassen zwischen Felsen und einem Rafting-Boot gefangen gehalten und bin schliesslich 60 Meter in die Tiefe gefallen - das alles ohne schwerwiegende Verletzungen… Hoert sich abenteuerlich an, war es auch.
Vielleicht ist es einfach nur Faulheit, vielleicht auch ein Zeichen meiner zunehmenden Reisemuedigkeit, aber irgendwie habe ich gerade keine Lust, vollstaendige deutsche Saetze zu formulieren, daher die vergangenen zwei Wochen mal zusammenhanglos im Schnelldurchlauf, ich lasse meinen Gedanken einfach freien Lauf:

07.03.-08.03.: Lima, Peru
Zusammen mit Diana und Chris gings weiter von Cuzco nach Lima, laengste Busfahrt meiner gesamten Reise, 21h, aber gluecklicherweise zwei Sitze fuer mich alleine - plus 5(!) Filme. Lima selbst: nicht gerade huebsch, aber warm, schlechte Luft, viel Verkehr, modern. Schnell weiter. Nachtbus nach Huaraz.

Yeah, zwei Sitze fuer mich Lima Lima Touristisches Zentrum in Lima Ceviche Mixto, Lecker

09.03.-13.03.: Huaraz, Cordilleras Blancas, Peru
Huaraz, 3000m Hoehe, Adventure-Zentrum in den Cordilleras Blancas, touristisch. Nettes Hostal (Churup), ganzen Dorm fuer mich alleine (Grund:Low Season), erstmal den ganzen Nachmittag bei kostenlosem W-Lan im Cafe gechillt. Ice Climbing leider nicht moeglich (Grund: Low Season), daher 3-Tages-Trekking-Tour (Santa Cruz Trek) gebucht, beim billigsten Anbieter. Abends die Nachricht, der Trek sei am kommenden Tag doch nicht moeglich, da Streik ueberall, erst am Mittwoch geht’s los. Na gut. Einen ganzen Tag lang nichts tun? Unmoeglich! Also: Mit drei anderen Reisenden aus dem Hostel (Deutschland, Holland, Kanada) Moutainbikes geliehen. Ziel: 12km bergauf zu einer Lagune. Es regnet. Weg ist schlecht, alles voller Steine. Kalt. Wenige km vor dem Ziel: Flat tire. Wir schieben die Raeder. Es ist 16 Uhr, wir sind immer noch nicht da. Alles in Wolken, man kann eh wenig sehen. Zeit, umzukehren. Down-Hill-Fahrt ist deutlich spassiger, aber verdammt kalt. Immer noch Regen. Alles nass. Es ist dunkel, wir kommen endlich wieder in Huaraz an. Verdammt, das war anstrengend!

Naechster Morgen, Mittwoch, 6 Uhr: Der Santa Cruz Trek geht los. Mit dabei: Zwei Schweizer (franzoesisch), zwei Kanadierinnen, netter Guide und zwei Esel fuers Gepaeck. Ich trage meinen Rucksack selbst, bin ja nicht im Kindergarten. Erster Tag: lange Anfahrt, anschliessend 10km leicht aufsteigend, viele Wolken, Gipfel der 6000er rundherum aber manchmal erkennbar, glitzernde Gletscher in der Sonne. Neid: Verdammt, ich will auch auf den Gipfel! Wir erreichen den ersten Campingplatz (3800m) am Nachmittag, es beginnt zu regnen. Es wird dunkel, ich leg mich schlafen. Immer noch Regen, mein Schlafsack ist kaputt, alles verdammt kalt.

Donnerstag, 7 Uhr: Schock: Meine Kamera geht nicht mehr. Ich hoffe, es ist nur die verdammte nasse Kaelte, gibt daher (siehe unten) nur Bilder vom ersten Tag. Nach ein wenig Haferschleim zum Fruehstueck gehts los. 1000 Hoehenmeter warten, die ersten 700 vergehen schnell und easy. Ploetzlich wird es hart. Liegt wohl an der Hoehe. Es geht nur noch langsam voran, sehr langsam. Verdammt, wieso trage ich eigentlich meinen Rucksack selbst? Im Schnee erreichen wir den Pass auf knapp 5000m, es beginnt zu hageln, zu schneien, zu regnen. Der Abstieg geht schnell, es wird wieder waermer (10 Grad?). Naechster Campingplatz auf 4200m. Wir sitzen gemeinsam bei heisser Schokolade im Zelt, das tut gut, es wird dunkel, ich leg mich schlafen. Es regnet weiter. Mein Zelt ist nass, mein Schlafsack ist nass. Es wird noch kaelter.

Freitag, 7 Uhr: Ich habe 12h lang geschlafen / versucht zu schlafen, Knapp 30km warten zum Abschluss auf uns, alles leicht bergab. Wir brechen frueh auf, der Weg ist teilweise ueberflutet, wir muessen abenteuerliche Umwege laufen, ueber Fluesse springen und Baeche waten, aber unsere Gruppe ist geuebt, es geht schnell voran. Schade, dass es keine Bilder gibt. Nach 8 Stunden erreichen wir das Ziel, um 20 Uhr sind wir wieder in Huaraz. Mein Bus geht um 21:30 Uhr. Die Zeit reicht fuer eine wohltuende heisse Dusche.

Vier Fahrraeder in ein Taxe? Kein Problem! Auf dem 12km langen Anstieg Reifenpanne Puh, das war anstrengend Am Beginn des Santa Cruz Treks Unsere treuen Begleiter Im Fruehtau, zu Berge,... Santa Cruz Trek Am ersten Campingplatz Camping auf knapp 4000m Hoehe

14.03.-15.03.: Trujillo und Mancora, Peru
Ich will an die Kueste, ans Meer, dorthin, wo es warm ist. Ich erreiche Trujillo am Morgen. Weiterfahrt nach Mancora leider erst am Abend moeglich. Trujillo hat nicht viel zu bieten, aber es gibt Sonne satt, 30 Grad. Ich verbringen den ganzen Tag in Parks in der Sonne, bei frischem Ananas-Saft im Cafe oder bei Ceviche (Fischspaezalitaet) im Restaurant. Ich lade meine Kamera neu, und siehe da: Juhuu, geht wieder! Danach schon wieder Nachtbus. Ich erreiche Mancora um 4:30 Uhr morgens. Es ist noch dunkel, aber angenehm warm (25 Grad?). Lege mich erstmal mitsamt Gepaeck in den Park zum Chillen bis die Sonne aufgeht. Ploetzlich rennt ein Junge an, will sich meine kleinen Rucksack schnappen, er denkt wohl ich schlafe. Tja, Pech gehabt! Der Rucksack klemmt fest zwischen meinen Beinen, ich trete den Jungen, als er versucht ihn zu packen. Er rennt wieder weg.
Das Hostel ist toll, mit Swimmingpool etc., der Tag wird verdammt heiss. Mein erster Sonnenbrand, trotz Sonnencreme. Und: mein erstes richtiges Bett seit 5 Tagen. Das kalte Bier tut gut.

16.03.: Cuenca, Ecuador
Auf nach Ecuador, die Zeit draengt. Erster Bus geht nur bis Tumbes, der Anschlussbus hat Probleme, also wieder warten: verbringe die Zeit in Tumbes zusammen mit einem netten Hollaender (Gott verdammt, warum gibt es hier so viele Hollaender??), die Grenz-Buerokratie geht recht unkompliziert, an der ecuad. Grenze: schon wieder Bus wechseln, da ich nach Machala will. Die 10 min, die ich in Machala bin, verbringe ich damit, das Bus Terminal zu wechseln. Erwische den letzten Bus nach Cuenca gerade noch als er das Terminal verlaesst. Puh, Glueck gehabt. Ankunft in Cuenca: 21 Uhr. Das Hostel, das ich ausgesucht habe, ist wieder sehr nett, die Stadt ist aber teuer. Zum Abendbrot gibt es daher nur 3 billige Hot Dogs.

17.03.: Cuenca und Banos, Ecuador
Mein Mitbewohner im Zimmer kommt aus Polen, er ist sehr nett und beginnt gerade eine 5-Jahres-Weltreise, ausserdem trifft gerade ein Berliner ein, der Ecuador mit dem Fahrrad bereist, alles nette, verrueckte Leute, die viel zu erzaehlen haben, wuerde gerne noch laenger bleiben, zwinge mich aber dazu, weiterzufahren. Bevor ich zum Terminal laufe, schnappe ich mir noch eine neue Reiselektuere (meinen Stephan King habe ich in Mancora ausgelesen). Fahrt nach Banos etwas entaeuschend, da (mal wieder) alles voller Regen und Wolken, man sieht nicht viel von den beruehmten Vulkanen. Angekommen in Ambato noch schnell auf den erstbesten Bus nach Banos aufgesprungen, Ankunft: 21Uhr. Der Pole aus Cuenca hat mir das Hostal “Princessa Maria” empfohlen, leider gibt es keinen Dorm, also goenne ich mir ein Einzelzimmer mit TV fuer 6 Dollar pro Nacht. Nice!

Mancora Strand in Mancora Mal wieder Ceviche Mixto Grenze zu Ecuador Hostal in Cuenca, Ecuador Auf dem Weg nach Banos


18.03. - 19.03.: Banos, Ecuador

Ich will die Reise mit einem letzten Adventure abschliessen, Banos ist ideal dazu. Mittags lass ich mich zu einer Chiva-Tour ueberreden. Nicht besonders spannend, aber auch nicht teuer. Man faehrt mit “offenem” Bus zu diversen Wasserfaellen, ueberquert mit einem Metall-Korb einen Fluss und faehrt mit laut droehnender Enrique Iglesias - Musik wieder zurueck, nicht gerade das Abenteuer, das ich gesucht hatte. Entscheide mich daher fuer das Non-Plus-Ultra: Bungee Jumping, nicht die “normale” Variante aus dem Touristen-Prospekt, sondern ein richtiger Sprung von der Bruecke (Puente San Franzisco), 130 Meter tief, darunter ein reissender Fluss. Finde eine Agency, die bereit ist, mich fuer 22 Dollar spriingen zu lassen - in NZ haette ich wohl 5mal so viel gezahlt. Freier Fall: 60 Meter, mein “Guide” ist nett, 20 Jahre alt, spricht ein wenig deutsch, ist vertrauenswuerdig. Er springt zuerst, zeigt mir, wie es geht: Kraeftig abspringen, Salto machen, fliegen. Ich versuche mein Bestes. der letzte Schritt ist verdammt hart, der Absprung kostet Ueberwindung. Augen zu und durch! Ich springe bei drei. Unbeschreiblich, ohne Wort! Unten angekommen, renne ich den Berg wieder hoch, voll von Adrenalin…
Donnerstag, 19.03., ein verhaengnisvoller Tag: Ich plane einen gechillten Abschluss und buche eine Rafting-Tour. Level 4+ (Level 6 = Wasserfall). Ein bisschen paddeln im Wasser, tut sicher gut. Irrtum. Die Stroemung ist reissend, der Fluss voller Felsen, die Wellen mannshoch. Alles beginnt gut, keiner faellt, grosser Spass. Dann passiert es: Meine Schweizer Kolleginnen auf der anderen Seite des Boots verstehen die Kommandos falsch, paddeln an einer der gefaehrlichsten Stellen kraeftig in die falsche Richtung, das Raft wird auf einen riesigen Felsen gespuelt, stellt sich vertikal auf, kippt um. Alle Mann auf der anderen Seite fallen auf uns, ich werde unter Wasser gedrueckt, kalt, sekundenlang alles dunkel, meine Schwimmweste drueckt mich nach oben, es bleibt dunkel, ich merke, dass ich nicht weiter nach oben komme, das Boot, die Felsen, die Stroemung, alles drueckt mich nach unten, ich brauche Luft, versuche mich zu bewegen, nach vorne geht nicht, also nach hinten, mein Helmgurt klemmt fest, irgendwas mit der Leine, alles bewegt sich, reissende Stroemungen, ich bin immer noch unter Wasser, komme nicht nach oben, schaffe es aber irgendwie, mich zu befreien, bewege die Arme, versuche zu tauchen, gelange unters Boot, immer noch dunkel, aber endlich Luft, ein wenig, ich schlucke Wasser, muss weiter, tauche unter, tauche, tauche, lasse mich nach oben treiben, tauche weiter, es wird heller, endlich Luft, ich kann wieder atmen, versuche mich zu beruhigen, das Boot ist nicht weit weg, kann mich mit einer Hand festhalten, lasse mich treiben, Beine nach vorne, Kopf nach hinten,genauso wie zuvor gelernt. Die Stroemung wird schwaecher… Unser Guide hat es wieder aufs Raft geschafft, es liegt immer noch auf der falsches Seite, aber man kann drauf sitzen, als alle wieder oben sind, paddeln wir weiter, ans Ufer. Puh, geschafft. High Five! Erst jetzt merke ich die Kaelte.
Der Rest der Strecke: ein Kinderspiel.

Lebende Chicken im Pappe-Kaefig Mit dem Wasserfall nahe Banos Banos, Ecuador Vor dem Sprung: ziemlich aufregend! Mein Kollege springt zuerst Ready to jump! Trockenuebung am Start Grosse Felsen, kleines Boot Hohe Wellen, Level 4+

20.03.: Quito, Ecuador
Ich habe Geschichten ueber Quito gehoert, die will ich gar nicht gehoert haben. Soll gefaehrlich sein, hat man mir gesagt. Gut, ich bleibe hier eh nur eine Nacht. Busfahrt von Banos nach Quito ereignislos, immer noch alles in Wolken, keine Spur zu sehen von Cotopaxi und Co. Schade. Suche mir Hostal (Sucre) in der Old City in Laufweite zum Bus Terminal, Uebernachtung fuer 3 Dollar, nett, sehr nett. Will mir die Altstadt ein wenig ansehen, regnet aber immer noch. Na gut, dann eben nur kurz, auf den ersten Blick: eine Grossstadt wie jede andere auch in Suedamerika, morgen frueh geht’s weiter zur Grenze nach Tulcan.

21.03.: Ecuador und Kolumbien
Es ist genau das passiert, was eigentlich nicht passieren sollte. Ich habe es einige Male verhindern koennen, dachte eigentlich, ich waere auch diesmal aufmerksam genug, und dann war sie ploetzlich weg, meine Kamera. Schon wahnsinnig professionell, diese Typen, natuerlich waehrend der Busfahrt, obwohl der Rucksack direkt unter meinen Fuessen war. Troeste mich damit, dass sie ja immerhin schon recht alt und eh ein wenig kaputt war, dass es “nur” die Kamera war, die weg ist, und dass es anscheinend einfach zu einem ordentlichen SA-Trip gehoert, beraubt zu werden. Immerhin habe ich die knapp 200 Euro fuer einen Flug von Quito nach Bogota gespart, Bilder habe ich in Quito auch noch rechtzeitig auf Notebook und IPod laden koennen.
Die gute Nachricht an diesem Tag: Grenzuebergang und Weiterreise klappen problemlos wie geplant und gehofft.

22.03.: Bogota, Kolumbien

Nach 20h Busfahrt gesund und munter in Bogota angekommen, meinem grossen Rucksack geht’s leider nicht so gut, lag die ganzen 20h im Gepaeckfach in irgendeiner undefinierbaren stinkenden Fluessigkeit, stinkt jetzt abartig. Regnet mal wieder in Stroemen. Werde in den kommenden Tagen mich wieder auf deutsche Verhaeltnisse vorbereiten und natuerlich auch ein wenig die Stadt erkunden, Goldmuseum und so, leider gibts davon dann keine Fotos. 3 Tage noch, dann sitze ich im Flieger nach Madrid, freue mich schon… :-)

23.03.-25.03.: Bogota, Kolumbien
Die letzten Tage vergingen erwartungsgemaess recht schnell und (einigermassen) ruhig. Abgesehen von ein wenig Party abends hier im Hostel, habe ich vor allem versucht, mich ein wenig auszuruhen, viel gelesen, im Internet gesurft, etc. Mit einigen netten Leuten aus dem Hostel gings ausserdem zum Goldmuseum (naja, Standard halt) und zum Polizeimuseum (deutlich besser, mit Pablo Escobar und Co.).
Heute noch ein wenig shoppen, und am Nachmittag dann los zum Flughafen. Ich hoffe, die schmuggeln mir keine Drogen ins Gepaeck ;-)

Comments

2 Responses to “Dem Ende entgegen…”

  1. Volker
    März 23rd, 2009 @ 20:34

    Nach Madrid kommen sie alle…

    Ich hab richtig Gänsehaut bekommen von deiner Story im 4+Fluß! Krasse scheißte, irgendwann muss ich nochmal fragen wie weit du entfernt warst nicht mehr aufzutauchen, jetzt muss ich erstmal für die schicken Fotos und aufregenden Worte danken, das hilft ein bisschem vom veregneten Berlin zu vergessen :)

    Grüß Barajas von mir

    Volker

  2. Andy
    März 25th, 2009 @ 01:30

    Alter, Respekt. Sorry, dass auch du um die “Erleichterung” nicht drum rumgekommen bist. Zum Glueck nur die Kamera!!!

    Und das mit dem Raften hatte ich dir doch schon gesagt, dass das heftig ist. Allerdings wusste ich nich dass du es immer uebertreiben musst!

    Freu mich wenn du wieder gesund zurueck bist. Wir sehen uns dann alle im dicken B.!!!

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