Simon auf Weltreise

Meine Abenteuer in Neuseeland und Südamerika 2008/2009

Machu Picchu - Low Budget

Posted on | März 10, 2009 |

Ich war geschockt, als ich in Cuzco ankam und von den unverschaemt hohen Preisen eines Machu Picchu Trips hoerte. Wie es ueberall in Hostels und Reiseagenturen heisst, ist diese in den Bergen versteckte alte Inca Festung bzw. das dazugehoerige Touristen-Staedtchen Aguas Calientes nur per Zug von Cuzco aus erreichbar - und der kostet 96 Dollar, hin und zurueck, die billigste Zug-Variante wohlgemerkt. Hinzu kommen 18 Dollar fuer die Busfahrt von Aguas Calientes zu den Ruinen sowie 124 Soles (ca. 40 Dollar) Eintrittspreis (fuer Studenten nur die Haelfte). Damit gehoert dieser Ort wohl eindeutig zu den teuersten in ganz Suedamerika. Kein Wunder, schliesslich gibt es auch kaum einen Gringo-Suedamerika-Touristen, bei dem Machu Picchu nicht auf dem Reiseplan steht. Die entspr. Veranstalter koennen also verlangen, was sie wollen, an Touristen wird es ihnen trotz der hohen Preise nicht mangeln. Einheimische Besucher zahlen uebrigens nur einen Bruchteil des Ganzen.

Neugierig geworden durch einen kurzen Absatz in meinem Reisefuehrer googelte ich also nach billigeren Alternativen. Schnell fand ich in zahlreichen Blogeintragen (meist schon 2-3 Jahre alt) genauere Beschreibungen der im Guidebook angedeuteden Moeglichkeit, per Bus ueber Santa Maria nach Santa Teresa und dann zu Fuss nach Aguas Calientes zu gelangen. Da meine Abenteuerlust anscheinend immer noch nicht gestillt war, beschloss ich, diese Variante auch auszuprobieren. Vielleicht kann ich durch diesen Blog-Eintrag ja auch weitere Reisende fuer diesen billigeren Weg begeistern. Ich bin im Nachhinein zumindest der Meinung, dieser kleine Umweg hat sich definitiv gelohnt. Man erhaelt einen wunderbaren Einblick in atemberaubende, subtropische peruanische Landschaft und in kleine, versteckte Doerfer abseits des gewoehnlichen “Gringo-Trails”. Auch die Organisation von Transport etc. war deutlich einfacher und unkomplizierter als erwartet. Und keine Sorge: Ganz so unbekannt scheint diese Variante auch nicht zu sein, zumindest habe ich auf dem Weg zahlreiche weitere Touristen mit demselben Reiseziel getroffen, so dass man auch als Allein-Reisender nie “alleine” ist.

Die erste Station der Reise war ein kleiner Ort mit dem Namen Santa Maria, den man in 4 bis 7 Stunden von Cuzco aus erreicht - je nachdem ob man sich fuer Bus (langsam) oder Minivan (schnell) entscheidet. Zentrale Anlauf- und Abfahrtsstelle fuer beide ist das “Santiago Bus Terminal” (Link zu Google Maps) entlang der Hauptstrasse “Antonio Lorena” (etwa auf Hohe der Abbiegung “Pranzisco Pizarro”) in Cuzco. Man erreicht diesen Ort entweder in ca. 15 Minuten zu Fuss von der Stadtmitte aus oder in 5 min per Taxi fuer 3 Soles. Ich entschied mich dazu, schon am Vortag der geplanten Abfahrt dort vorbeizuschauen und wurde bei meiner Ankunft auch prompt von allen Seiten von zahlreichen Haendlern begrabscht, verfolgt und angeschrien. Sofort entlarvten sie mich als Machu Picchu - Tourist, schrien “Santa Maria, Santa Maria” und wollte mich fuer ihren Minivan in Richtung Quillabamba (naechste Stadt nach Santa Maria) gewinnen. Obwohl der Bus (empfohlen wird immer das Unternehmen “Turismo Ampay”) nur 15 Soles gekostet haette, entschied ich mich fuer die deutlich schnellere Fahrt in einem modernen Minivan, zahlte nach kurzen Verhandlungen 20 Soles, und startete schliesslich am naechsten Tag um 8 Uhr morgens meinen Trip.
Die vierstuendige Fahrt (die ersten drei Stunden uebrigens auf nahezu perfekter, asphaltierter Strasse) fuehrte ueber Urubamba und Ollantaytambo schliesslich durch atemberaubende Gebirgslandschaft ueber einen 4200 Meter hohen Pass wieder hinab auf ca. 1000 Meter in die peruanischen Subtropen nach Santa Cruz. Dort warteten bereits einige weitere Touristen und einige Mini-Busse auf die Weiterreise in ein Seitental nach Santa Teresa. Die Behauptung meines Guidebooks, wonach eine unmittelbare Weiterreise in Richtung St. Teresa nur am fruehen Morgen moeglich waere, stellte sich damit erwartungsgemaess als totaler Bloedsinn heraus. Nach einem 20minuetigen, lustigen “Streitgespraech” zwischen Fahrern und Touristen, welcher Minivan denn nun am schnellsten und komfortabelsten sei, schloss ich mich einfach zwei Amerikanern und zwei Brasilianern an und stieg fuer 8 Soles in einen alten Kombi, unter der Bedingung, dass wir nun endlich losfahren, und zwar sofort. Einer von uns musste zwar im Kofferraum unterkommen, aber kein Problem, wir sind ja in Suedamerika, da ist das normal. Alle Fahrer boten uebrigens von sich aus sofort an, nicht nur die 30km bis Santa Teresa (langsame, zweistuendige Fahrt an steilen Gebirgshaengen entlang) zu fahren, sondern uns direkt zur sog. “Hydroelektrico-Station” zu bringen (weitere 10km hinter Santa Teresa). Viele aeltere Blogs berichten ausserdem von einer gewissen “Haenge-Gondel” bzw. einem “Metall-Korb”, mit dem man den Fluss nach Santa Teresa ueberqueren muss. Dies ist inzwischen ueberfluessig, da es seit kurzem eine neue Bruecke gibt, die es auch problemlos Autos ermoeglicht, zur Hydroelektrico-Station zu gelangen (leider, haette so eine Gondel-Fahrt gerne mitgemacht).
Dort angekommen war es bereits ca. 16 Uhr und nach einer kleinen Staerkung (es gibt dort am Beginn der Bahnschienen einige Staende, die auch warmes Essen anbieten) begannen wir unsere 2stuendige Wanderung (Achtung: die “richtigen” Bahnschienen fuehren einige Meter rechts ueber den Markstaenden entlang und sind von dort durch einige Trampelpfade in 2-3min erreicht, die “anderen” Schienen unten an den Verkaufsstaenden enden nach ca. 10min). Nach etwa acht, leicht ansteigenden Kilometern entlang der Bahnschienen erreichten wir schliesslich rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit Aguas Calientes. Ein Hostel (15 Soles) war schnell gefunden und wie es der Zufall so wollte, traf ich auf den Strassen des Touristen-Doerfen natuerlich zwei Bekannte wieder: Andy und Joe, denen ich mich sofort zum gemeinsamen Abendessen anschloss. Anschliessend war auch schon Bettruhe angesagt, schliesslich wollte ich naechsten Morgen zumindest einigermassen fit die Machu Picchu - Ruinen erkunden.

Angekommen in Cuzco Cuzco von oben Santiago Bus Terminal Auf dem Weg nach Santa Maria Auf dem Weg nach Santa Maria Santa Maria Auf dem Weg nach Santa Teresa Hydroelectroco-Station Auf dem Weg nach Aguas Calientes Ankunft in Aguas Calientes

Die Inca - Anlage befindet sich etwa 300 Hoehenmeter oberhalb des Dorfes, versteckt auf dem Sattel eines Berges. Der Fussweg dorthin fuehrt zunaechst einige Minuten am Fluss entlang in Richtung Hydroelektrico-Station, dann nach der Fluss-Ueberquerung mittels hohen Steinstufen immer steil bergauf, wobei mehrmals die serpentinenfoermige Fahrstrasse ueberquert wird. Ich verliess Aguas Caliente um etwa 5 Uhr morgens (die Tore zu den Ruinen oeffnen um 6 Uhr) und erreichte den Eingang nach etwa 1,5 Stunden - ja, ich war langsam, hatte kein Fruehstueck, und musste ausserdem zu Beginn nochmals zum Hostel zurueck, da ich meinen Passport dort vergessen hatte :-/.
Eine weitere Sache ist an dieser Stelle evtl. noch erwaehnenswert: Offiziell (und laut Reisefuehrer) gibt es genau zwei Orte, an denen man die “Eintrittskarten” fuer Machu Picchu erwerben kann: entweder in Cuzco oder in Aguas Calientes. Nach einem kurzem Gespraech mit der Verkaufsdame am entspr. Ticket-Office in Aguas Calientes erfuhr ich von einer weiteren Moeglichkeit. Hintergrund war folgender: da ich leider auf meiner Reise keinen ISIC-Studentenausweis dabei habe, suchte ich nach einer anderen Moeglichkeit, mich als Student auszuweisen, um in den Genuss des deutlich billigeren Tarifs zu kommen. Also gab mir die nette Dame den Tipp, ich solle warten, bis ich am Eingang zu den Ruinen bin und mich dann am Computer des dortigen Bueros in den persoenlichen Bereich meiner Hochschule einloggen (ja, dort oben gibt es Internet). Ich war zwar anfangs etwas skeptisch, aber vor Ort klappte dann in der Tat alles problemlos. Ich war somit als Student “verifiziert” und habe damit 20 Dollar gespart. Yeah! Noch ein weiterer Tipp: Verpflegung kann man zwar am Eingang ebenfalls kaufen (innerhalb der Ruinen nicht), aber die Preise bewegen sich leider auch dort auf hohem europaeischem Niveau. Es lohnt sich also, alles Notwendige bereits in Aguas Calientes zu kaufen und selbst mit nach oben zu schleppen.

Die Ruinen-Anlage selbst ist innerhalb von wenigen Stunden locker erkundet. Wenn man Lust auf ein wenig mehr Hintergrundinformation hat, kann man sich natuerlich auch jederzeit neben einer gefuehrten Gruppe (die erscheinen dann alle so ab 9 Uhr in Massen) niederlassen und als “Schmarotzer” den Erlaeuterungen des Guides lauschen. Eine weitere Attraktion und der Grund dafuer, dass ich bereits so frueh aufgebrochen bin, ist der Berg “Huayna Picchu”, dessen Gipfel mit weiteren Inka-Ruinen ca. 300Hm ueber den Uberresten von Machu Picchu thront. Die Anzahl der Besucher, die diesen Berg erklimmen duerfen, ist auf 400 taeglich beschraenkt. Die Registrierung erfolgt an einer Huette direkt am Fusse des Berges. Ich selbst stuermte gleich nach Ankunft zur Huette und bat um ein Ticket fuer die “zweite Gruppe” zwischen 10 und 11 Uhr, da ich hoffte, das Wetter wuerde sich bis dahin ein wenig bessern (was auch der Fall war). Spaeter stellte sich jedoch meine Planung als uebertrieben heraus, denn meine beiden amerikanischen Freunde Diana und Chris trafen erst gegen 12 Uhr bei der Registrierung ein und konnten immer noch problemlos eintreten. Liegt wohl an der Low Season, dass so “wenige” Leute die zusaetzliche Wanderung auf sich nehmen wollen.
Der Pfad zum Gipfel des Huayna Picchu ist anspruchsvoll, besonders bei Naesse, steil und anstrengend. Ich erreichte den hoechsten Punkt nach etwa 40 Minuten, habe mich aber auch wirklich beeilt. Fuer die tolle Aussicht, die nicht nur ein tolles Panorama auf die Machu Picchu Ruinen selbst bietet, sondern auch einen Blick flussabwaerts bis zur Hydroelectrico-Station erlaubt, lohnt sich die Anstrengung aber allemal.

Um 14 Uhr traf ich mich wieder mit Diana und Chris. Gemeinsam begaben wir uns dann wieder auf die 2,5stuendige Wanderung zurueck zur Hydroelectrica-Station, wo natuerlich wieder “Taxis” auf ankommende Gringos warteten. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit erklaerte sich allerdings kein Fahrer bereit, am selben Tag noch den ganzen Weg bis Cuzco zurueck zu legen. Sie erklaerten uns ausserdem, dass die Hostels in Santa Teresa deutlich besser sein als die in Santa Maria (falls es dort ueberhaupt welche gibt), also legten wir kurzerhand dort eine kurze Zwischen-Uebernachtung ein - natuerlich incl. Besuch der Dorf-Disko. Am naechsten Morgen ging es dann mit selbigem “Taxi” wieder nach Santa Maria und von dort wieder mit einem Mini-Van zurueck zum Ausgangspunkt in Cuzco. Als wir dort ankamen, war es bereits Nachmittag. Das “Umsteigen” in Santa Maria stellte sich diesmal als etwas schwieriger heraus, da die meisten Vans, die aus Quillabamba antrudelten, bereits voll waren. Nach einer Stunde Wartezeit hat es schliesslich doch geklappt - wenn auch mit etwas Platzknappheit waehrend der Fahrt. Als Alternative waere natuerlich immer noch der Bus gelieben, der regelmaessig von Santa Maria nach Cuzco verkehrt (”Turismo Ampay”), allerings 2-3 Stunden laenger benoetigt als die Minivans.

Machu Picchu am fruehen Morgen Machu Picchu - noch in Wolken Machu Picchu - langsam klart es auf Zugang zum Huayna Picchu Auf dem Gipfel des Huayna Picchu Blick vom Huayna Picchu Steiler Weg zum Huayna Picchu Machu Picchu Giftige Schlange auf dem Weg zurueck Diana und Chris Santa Teresa bei Nacht Bus in Santa Maria

Fazit: Ich bin durchaus zufrieden mit dem Trip. Es war sicher ein wenig erlebnisreicher und spannender als der “normale” Touristenweg mittels PeruRail. Mit Zug ist ein Trip nach Machu Piccu zwar auch innerhalb eines einzigen Tages moeglich, aber wer einen zusaetzlichen Tag opfern kann (ich habe fuer die Tour 2,5 Tage gebraucht), sollte in meinen Augen diese Machu Picchu Variante ernsthaft in Erwaegung ziehen. Ein wenig Abenteuerlust und ein paar grundlegende Spanischkenntnisse sind sicher von (grossem) Vorteil, z.B. um mit den Fahrern Preis und Route zu verhandeln. Allerdings wird man immer auch auf weitere Touristen treffen (insbesondere aus anderen Laendern Suedamerikas), denen man sich einfach anschliessen kann. Fuer Transport und Unterkunft habe ich insgesamt etwa 90 Soles (knapp 30 Dollar) bezahlt: 30 Soles fuer die Hinfahrt, 35 Soles fuer die Rueckfahrt, 15 Soles fuer die Uebernachtung in Aguas Calientes, 10 Soles fuer das Hostal in Santa Teresa. Ich bin mir sicher, mit diesem Preis kann keine Reiseagentur in Cuzco mithalten…

Update 15.03.09: Ich selbst habe zusammen mit Diana und Chris noch am selben Abend Cuzco verlassen, habe nach kurzem Aufenthalt in Lima einige anstrengende Tage in den Bergen bei Huaraz hinter mich gebracht (das war mein wohl letztes Adventure in Suedamerika) und befinde mich jetzt gerade im Strandparadies von Mancora (11:30pm, immer noch 25 Grad) im Norden Perus. Morgen geht es rueber nach Ecuador und von dort dann hoffentlich moeglichst zuegig zu meiner “Endstation” nach Bogota. Bericht ueber meine letzten Tage folgt dann von unterwegs…

Comments

One Response to “Machu Picchu - Low Budget”

  1. Johannes
    März 27th, 2010 @ 02:41

    Super Beschreibung, vielen Dank!
    Werde versuchen die gleiche Strecke zu nehmen.

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