Simon auf Weltreise

Meine Abenteuer in Neuseeland und Südamerika 2008/2009

Auf den Spuren der Incas

Posted on | März 10, 2009 |

Es ist mal wieder soo viel passiert seit meinem letzten Bericht. Ohne Rast und Ruh’ bewege ich mich nun schon seit Wochen quer durch Bolivien und Peru, von einem Platz zum naechsten, ohne grosse Planung, sich einfach ein wenig “treiben lassen”. Eigentlich eine schoene Art zu reisen, wenn auch allmaehlich ein wenig ermuedend. Aber bald bin ich ja wieder zurueck in Deutschland und kann Urlaub machen mich waehrend des Studiums ausruhen. :-)

Im Grunde haette ich die Ueberschrift fuer diesen Eintrag auch “Andy auf der Spur” nennen koennen, denn genau das war ich in den letzten Tagen. Aber erst einmal der Reihe nach: Nachdem ich also die “Death Road” schadenfrei ueberstanden hatte, hiess es am naechsten Morgen endgueltig “Goodbye, La Paz”. Meine letzte Station in Bolivien sollte die Isla del Sol im Titicacasee sein, einer der kulturell bedeutendsten Orte in Suedamerika, zumindest gilt er - dem Glauben der Inca zufolge - als Geburtsort der Inca-Dynastie. Ausgehend von dem Touristen-Staedtchen Copacobana brachte mich eine schoene, aber kalte Bootsfahrt und ein harter, kurzer Anstieg auf alten Inka-Pfaden schliesslich nach Yumani, einem verschlafenen Dorf, etwa 200 Meter oberhalb des Sees gelegen. Den Nachmittag und Abend verbrachte ich mit einem kurzen Insel-Rundtrip auf einsamen Pfaden, ab und an nur durch einige Schafe, Esel oder Lamas gestoert. Die Insel ist definitiv ein schoener Ort, um dem Laerm und Verkehr der Staedte zu entfliehen und ein wenig Einsamkeit, tolle Landschaft und Natur zu geniessen.

Unser Bus wird ueber den Kanal verschifft Auf dem Weg zur Isla del Sol isla del Sol Isla del Sol: Ein Ort zum Relaxen Isla del Sol Mein Hostal auf der Isla del Sol

Mein straffer Zeitplan erlaubte allerdings leider keinen laengeren Aufenthalt, schliesslich wollte ich Andy noch rechtzeitig vor seiner Abreise in Arequipa besuchen. Der direkte Weg dorthin fuehrte mich ueber die bolivianisch-peruanische Grenze bei Yunguyo zunaechst nach Puno. Bis zur Abfahrt des Nachtbuses nach Arequipa hatte ich noch ein paar Stunden Zeit, die ich natuerlich nicht ungenutzt lassen wollte und mich daher dazu entschloss, mich einer dreistuendigen gefuehrten Tour zu den “Uros-Inseln” anzuschliessen. Dabei handelt es sich um “schwimmende”, kuenstlich errichtete Inseln, die einzig und allein aus Stroh gebaut sind. Irgendwie alles ist dort aus Stroh. Die Haeuser, der Boden, sogar das Essen. War alles ganz nett anzuschauen, aber man merkte doch recht schnell, dass die ganze Szenerie doch nicht so wirklich “natuerlich” wirkte, sondern sehr, sehr auf den Tourismus ausgerichtet ist. Naja, man kanns ihnen nicht veruebeln.
Eine weitere gute Sache hatte Puno ausserdem zu bieten: Ich habe endlich wieder einen ordentlichen “Book Exchange” gefunden, wo ich mein ausgelesenes Ken Follett - Buch gegen zwei neue Buecher umtauschen konnte (ich hab die Regel “2 gegen 1″ einfach zu “2 fuer 1″ umgedreht…).

Schwimmende Inseln aus Stroh Los Uros: Alles aus Stroh Unser Guide erklaert den Bau einer Insel Los Uros Die Bewohner singen ein Lied fuer uns

Naechste Station - Arequipa: Ein Nachtbus hat oft Vor- und Nachteile. Vorteil: Er ist meist top ausgetattet und man spart das Geld fuer ein Hostel. Nachteil: Man erreicht den Zielort oft zu unmoeglichen Zeiten. Was macht man also um 4 Uhr nachts am Bus Terminal in Arequipa? Richtig. Man sucht sein zwei freie Sitzplaetze, packt seinen Schlafsack aus, sichert Gepaeck so gut wie moeglich mit Haenden, Fuessen, Schloessern, Seilen etc., und versucht zu schlafen. Hat auch ganz gut geklappt, zumindest bis 7 Uhr. Dann war es hell, ich war einigermassen ausgeschlafen, konnte mir ein Hostel suchen und Andy von meiner Ankunft informieren. An alle, die ihn kennen: Nein, er hat sich kaum veraendert und ist immer noch so klein, dass er unter den Peruanern kaum auffaellt :-).
Ich wollte Andy natuerlich nicht weiter von der Arbeit abhalten, also habe ich zusammen mit Joe ein wenig die Stadt erkundigt und dabei feststellen duerfen, welche “niedrigen” Lebensstandard ich ueber Wochen hinweg in Bolivien - mehr oder weniger unbewusst - erlebt hatte. Zum ersten Mal seit Wochen sah ich mal wieder “richtige” Supermaerkte, mit Kassen und mit Einkaufswaegen, und mit richtigen Regalen fuer die Lebensmittel. Generell scheint Peru doch ein wenig “reicher” zu sein als Bolivien, kein Wunder, hier ist ja auch alles fast doppelt so teuer (und trotzdem immer noch viel, viel billiger als in Deutschland).
Die anschliessende kleine Party (Andys letzter Arbeitstag) sorgte dann dafuer, dass ich leider nur ca. 3 Stunden ordentlichen Schlaf in dieser Nacht geniessen durfte, da meine gebuchte 3-Tages-Tour zum Colca Canyon mal wieder zur unmoeglichsten Uhrzeit mitten in der Nacht startete. Egal, weiter ging’s, ich bin ja nicht zum Schlafen nach Suedamerika gekommen.

Arequipa mit El Misti im Hintergrund Arequipa Wiedersehen macht Freude Andy und Joe Andys Abschiedsfeier Andy freut sich ueber sein Geschenk

Als es hell wurde, und wir den ersten Aussichtspunkt per Bus erreichten, sah man leider nicht viel. Keinen Canyon, keinen Condor, dafuer viele Wolken. Im Laufe des Vormittags klarte es allerdings allmaehlich auf und als fuer unsere Gruppe gegen Mittag dann die Wanderung endlich losging, hat sich das Wetter auch endlich beruhigt und offenbarte uns einen atemberaubenden Blick auf die Schlucht, die sich nahezu endlose tausend Meter unter uns in die Tiefe erstreckte. Einfach atemberaubend. Auf den folgenden vierstuendigen Abstieg konnte man nicht nur staendig diese tolle Aussicht auf die groesste Schlucht der Welt geniessen, sondern auch immer wieder den ein oder anderen Condor beobachten, der ueber uns seine Kreise zog. Leider war der Wanderstil meiner Wander-Kollegen (zwei Englaender, zwei Argentinier) dann doch ein wenig zu langsam fuer mich, so dass ich immer wieder ein wenig warten musste und wir bei Regen und erst nach Einbruch der Daemmerung unsere Unterkunft bei einer einheimischen Familie erreichten.
Der naechste Tag begann sonnig. Das kalte Bier und die Abkuehlung im Swimmingpool der nahegelegenen Oase tat daher wirklich gut und gab auch wieder die Energie zurueck, die noetig war, um den folgenden Abstieg ueber 1000Hm zu meistern (meine Zeit: 2:10h, yeah, ich bin stolz auch mich). Es scheint so, dass es zur Regenzeit hier in Peru ueblich ist, dass der Tag sonnig und klar beginnt und mit Regen endet, der im Laufe des Nachmittags beginnt. Zumindest war es an diesem Tag genauso, so dass wir alle etwas durchnaesst schliesslich am spaeten Nachmittag wieder in Copanaconde, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung erreichten. Nach einigen Glaessern Pisco Sour, dem Nationalgetraek Perus, am Abend sollte es dann am naechsten Morgen dann moeglichst schnell wieder mit Bus zurueck nach Arequipa gehen. Sollte. Von schnell kann jedenfalls keine Rede sein, da der Bus mal wieder Probleme machte (die vielen Schlagloecher haben wohl irgendwie die Rad-Aufhaengung beschaedigt). Diese Verzoegerungen sorgten also schliesslich dafuer, dass nicht nur der Abstecher zu den Thermalbeadern ausfiel, sondern wir auch erst mit mehrstuendiger Verspaetungen in Arequipa eintrafen. Allen Bemuehungen meines netten Guides zum Trotz konnte ich daher nicht verhindern, dass ich ein paar wenige Minuten zu spaet am Terminal eintrudelte und mein gebuchter Bus ohne mich nach Cuzco abfuhr. Der einzige noch verfuegbare Nachtbus nach Cuzco war zwar teuer, da ich allerdings nicht noch einen Tag in Arequipa bleiben wollte, nahm ich den Luxus in Kauf und zahlte etwa 20 Euro fuer die “luxurioeseste” Busfahrt, die ich bis zu diesem Zeitpunkt je erlebt hatte: Abendessen, Decke, DVD-Unterhaltung, englischsprechendes Personal, und sogar Fingerabdruecke zur Sicherheit vor Hijackern…

Rueckweg im Regen Oase mitten im Canyon Erfrischende Oase Hilfe, ich blute! Kaktus-Frucht In einem kleinen Dorf-Museum Der zweite Tag begann sonnig Unsere Unterkunft Condor Watching Beim Abstieg Junge am Colca Canyon Der tiefste Canyon der Welt Haessliches Schaf Nebel am Colca Canyon

Angekommen in Cuzco und konfrontiert mit den unverschaemten Touristen-Preisen fuer einen Trip nach Machu Picchu (allein das Zugticket kostet 100 Dollar return), entschloss ich mich kurzerhand zu einer weiteren Herausforderung. Ich wollte Machu Picchu per Bus und Fuss erreichen - so billig wie moeglich. Das Durchforsten einiger Weblogs bestaetigte mir, dass das moeglich ist. Und ich Nachhinein kann ich nur zustimmen: Ja, es ist moeglich. Sogar einigermassen unkompliziert und sehr billig.
Trotzdem wissen nur sehr wenige Touristen von dieser Moeglichkeit, die nicht nur bis zu zehnmal billiger ist, sondern nebenbei auch noch tolle Einblicke in faszinierende peruanische Landschaften und abgelegene Doerfer gibt. Da ich trotz der Fuelle an Beschreibungen dieser 2-3 Tagestour im Internet kaum aktuelle, und vor allem kaum deutschsprachige Berichte gefunden habe, habe ich beschlossen, in einem eigenen Blog-Beitrag (folgt hoffentlich in ein paar Tagen) meine Erfahrungen moeglichst detailliert zu beschreiben. Vielleicht kann ich so ja den ein oder anderen weiteren Gringo dazu animieren, der halsabschneiderischen peruanischen Eisenbahn ein Schnippchen zu schlagen und das Geld fuer sinnvollere Dinge zu sparen…

Wenn ich mir die Bilder so anschaue, fallen mir noch duzende Anekdoten ein, die es wert waeren, erwaehnt zu werden, allerdings ist der Beitrag sowieso mal wieder viel zu lange geraten. Also: erstmal Schluss fuer heute. Momentan befinde ich mich in Huaraz in den Cordilleras Blancas, ich habe Glueck, dass ich diesen Beitrag noch online stellen kann, da bis vor wenigen Minuten noch ein Stromausfall (fast) die ganze Stadt lahm gelegt hat. Morgen werde mich zu einer letzten 3taegigen Trekking-Tour aufmachen, bevor es dann endgueltig auf den “Heimweg” in Richtung Bogota geht. In diesem Sinne: Adios, amigos!

Comments

One Response to “Auf den Spuren der Incas”

  1. Volker
    März 10th, 2009 @ 12:08

    Endlich Andy und Simi vereint - wobei du mehr wie der Südamerikaner aussiehst!!! - schöne Fotos wir freuen uns auf die vielen Anekdoten beim volkersfreunde-foto-abend :)

Leave a Reply





  • Flickr Photostream

    photo
  • -->