Simon auf Weltreise

Meine Abenteuer in Neuseeland und Südamerika 2008/2009

Aotearoa – eine Zwischenbilanz

Posted on | Dezember 18, 2008 |

Jetzt bin ich schon dreieinhalb Monate unterwegs, die Hälfte meiner siebenmonatigen „Weltreise“ ist schon vorüber, heute ging mein Praktikum zu Ende, am Sonntag werde ich meine WG verlassen und anschließend meinen Trip in den Süden Neuseelands beginnen. In Gedanken habe ich Auckland auch schon längst Lebewohl gesagt. Ich finde, es ist Zeit für einen Zwischenbericht.

Sorry, dieser Beitrag wird ein wenig länger werden, ich habe aber versucht, ihn mit ein paar neuen Bildern aus den letzten Wochen aufzulockern.
Beginnen wir erst einmal beim Wesentlichen: Nein, ich bereue meine Entscheidung hierher zu kommen noch nicht. Im Großen und Ganzen ist Neuseeland so ähnlich, wie ich es mir vorgestellt habe: freundlich, unkompliziert, landschaftlich wunderschön und voll mit Touristen und „Nicht-Kiwis“. Vielleicht ein wenig „altmodischer“ als ich gedacht habe: wenig Infrastruktur (abgesehen von Auckland), keine Autobahnen, viele nichtasphaltierte Straßen, wenig IT, und die Kinofilme kommen auch erst Wochen nach der Weltpremiere auf die Leinwand.
Ich habe mich hier dank meiner netten Mitbewohner, superfreundlichen Arbeitskollegen und in Gesellschaft von vielen anderen Deutschen schnell eingelebt, viel zu viele neue Leute in so kurzer Zeit kennengelernt, und ich besitze - trotz regelmäßigem deutschen Stammtisch - oft genug die Möglichkeit, englisch zu sprechen bzw. mein Englisch zu verbessern.
Ich bin im Nachhinein richtig glücklich, wie schnell und einfach ich einen normalen Alltag beginnen konnte, nachdem ich doch ein wenig planlos Ende August hier angekommen bin. Meine WG hier ist toll und so lässt es sich in guter Gesellschaft nicht nur angenehmer, sondern auch billiger leben lässt als in den überteuerten Hochhaus–Apartments in der Innenstadt.

Bilder vom Mt. Eden, dem höchsten Vulkanberg in Auckland. Dort oben hat man einen tollen Blick auf die Stadt und kann über 100 km weit sehen.

Wünsch-dir-was-BaumKrater des Mt. EdenBlick vom Mt. EdenDort ist Berlin - 18.000 km entferntBlick vom Mt.Eden auf die WestküsteAuckland CentralGood bye, Auckland



gardyneHOLT

Auch mit meiner Arbeit kann ich auf jeden Fall zufrieden sein. Mein Praktikum ist ja der eigentliche Grund, warum ich überhaupt hier bin, und der Grund dafür, warum ich wochentags kaum noch für andere Dinge Zeit habe bzw. hatte, denn heute war mein letzter Arbeitstag. Ich kann es immer noch gar nicht richtig glauben, dass mein Praktikum schon vorbei ist, am Ende ging doch alles irgendwie viel zu schnell. Trotzdem bin ich glücklich, jetzt endlich wieder die volle Freiheit zu genießen.
Dabei habe ich mir von Beginn an vorgenommen, nur in der Zeit von 9 Uhr bis 18 Uhr, also dann, wenn ich auch auf der Arbeit war, an die Arbeit zu denken. Egal wie ungelöst ein Problem auch ist, spätestens um 18 Uhr sollte Schluss sein. Wer mich kennt, weiß, dass das nicht einfach für mich ist. Trotzdem hat das „Abschalten“– abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen – ganz gut funktioniert. Überfordert fühlte ich mich daher auch nicht, zumal ich eigentlich sowieso immer selbst entscheiden durfte, ob ich eine bestimmte Aufgabe übernehmen will oder nicht.

{begin IT-blabla}Anfangs habe ich mich so meist mit gewöhnlichem Web-Templatedesign mit html/css und ein wenig php und smarty beschäftigt, im Laufe der Zeit bin ich dann vertrauter mit dem hauseigenen cms geworden und habe auch eigene plugins geschrieben oder sogar direkt am cms-core programmiert. Auch bei Kundengesprächen konnte ich manchmal dabei sein und durfte sogar ein cms-Training selbst leiten.{end IT-blabla} Ich habe also wieder in vielerlei Hinsicht viel Neues dazu gelernt. Trotzdem gab es oftmals auch Tage, an denen ich nicht mit 100% Einsatz und Elan dabei war. Dann habe ich mir für manche Aufgaben eben besonders viel Zeit gelassen oder die Mittagspause auch mal auf 1,5 Stunden erweitert. Nicht, dass die Arbeit keinen Spaß gemacht hat, aber Relaxen war einfach auch mal angebracht. Trotzdem waren meine „work mates“ recht zufrieden mit meiner Arbeit und vermissen mich hoffentlich auch ein bisschen, wenn ich dann Auckland verlassen habe und meine Web-Kollegen nun wieder zu dritt alles auf die Beine stellen müssen.

Hier einige Bilder aus dem Büro meiner Praktikumsfirma. Wie ihr sehen könnt, ist da gerade ein wenig Unordnung, weil in den letzten Tagen der Anbau des neuen Office in vollem Gange war.

gardyneHOLT - Unser OfficeHier arbeitet mein Web-TeamMein ArbeitsplatzgardyneHOLT - Unser OfficegardyneHOLT - Das neue OfficegardyneHOLT - Das neue Office



Auckland und NZ

Auckland selbst ist sicher keine schlechte oder abstoßende Stadt. Vielleicht zu „nicht-neuseeländisch“, ein wenig zu “amerikanisch” und zu „autolastig”. Ein Nahverkehrssystem ist hier quasi nicht existent, wer ohne Auto ist, muss laufen oder auf das - zumindest tagsüber vorhandene - Busnetz ausweichen. Fahrrad fährt hier fast keiner und auch als Fußgänger wird man hier ständig benachteiligt (Autos haben z.B. grundsätzlich Vorfahrt). Auf den Straßen liegt kein Dreck, hier stinkt es nicht (vielleicht manchmal nach toten Fischen am Hafen), keiner nervt mit lauter Handy-Mucke. Die einzigen, die mit dummen Sprüchen pöbeln, sind die Polizisten, die sich beschweren, wenn man auf öffentlichem Gelände Alkohol trinkt. Zwar treten hier Politiker ständig auf mit Wahlkampf-Slogans wie “Zero tolerance for crime” und Auto-Diebstähle sind auch nicht so selten, wenn man sein Auto mitten in der Wildnis abstellt, aber dennoch stellt die Sicherheit hier eigentlich kein Problem dar. Ich bin mir sicher, dass sich ein Neuseeländer auf den Berliner Straßen unsicherer fühlt.
Das Wetter wechselt hier – auch im Sommer – oft tagelang ständig innerhalb von 5 Minuten von Sonnenschein auf Regen, ist unberechenbar, aber angenehm. Im Winter nicht zu kalt, im Sommer nicht zu warm. Nur der ständige Wind kann manchmal auf die Nerven gehen.
Das Leben ist nicht ganz so teuer wie in Deutschland. Besonders Autos sind billig. Einen gebrauchten, fahrbaren Untersatz gibt es hier ab 500-1000 Euro, daher besitzt auch fast jeder ein Auto. Ein Whopper-Menü bei Burger King kostet 3,50 Euro, vielleicht auch einer der Gründe, warum die Maoris hier nicht zu den schlankesten Menschen der Welt zählen. Das soll jetzt nicht beleidigend klingen, aber es ist nun mal eine oft bestätigte Tatsache, dass die Ureinwohner polynesischen Ursprungs meist ein wenig korpulenter gebaut sind als die zugezogenen Immigranten, zumindest ist das mein Eindruck.

Zurück zum Thema: Man kann sich gut vorstellen, dass Auckland regelmäßig zu einer der lebenswertesten Städte weltweit gewählt wird. Die Menschen hier leben glücklich, und sind - nein, das ist kein Klischee! - persönlicher und freundlicher. In deutschen Großstädten ist es nun mal nicht üblich, dass sich wildfremde Menschen mit Vornamen ansprechen, dass dich selbst Nachbarn, die fünf Häuser weiter wohnen, mit “Hey mate, how are you?” täglich begrüßen oder dass dich an der Supermarkt-Kasse die Verkäuferin fragt “How was your work today?” Ich denke ja, dass diese Höflichkeit daher rührt, dass Auckland von so vielen Immigranten und „neuen“, jungen Menschen lebt, die sich einfach deshalb freundlich und höflich verhalten, um sich bestmöglich in diese “multi-culture”-Gesellschaft eingliedern zu können. Ich glaube, als “Fremder” ist man automatisch freundlicher und hilfsbereiter – zumindest, wenn man kein Außenseiter sein will. Auf jeden Fall könnten wir Deutschen an dieser Stelle durchaus mal ein wenig dazu lernen.
Auckland ist ansonsten eine unglaublich “junge” Stadt. Ich glaube, ich habe in noch keiner Stadt in der Fußgängerzone soviele 20-40jährige Menschen und so wenige ältere Menschen gesehen. Wobei Auckland’s CBD (also das Stadtzentrum) ohnehin ein Phänomen ist: Sicher 50-60% der Leute dort sind Asiaten. Sobald man sich jedoch 1-2km weiter außerhalb aufhält, findet man fast gar keine Asiaten mehr, und auf dem Land oder in anderen Städten in NZ gibt’s sowieso fast nur Kiwis, europäische Immigranten und vor allem deutsche Touristen.
Doch so schön Auckland auch sein mag, ich will raus hier! Und zwar schnell! Und vielen anderen, die ich hier treffe, geht es ähnlich. Der „Rest“ von Neuseeland ist einfach zu schön, so dass Auckland zwar für alle der Anlaufpunkt schlechthin ist, aber von vielen Kiwis (und auch von anderen Touristen) als einer der „unbequemsten“ Orte in NZ bezeichnet wird. Vielleicht kann ich das dann in ein paar Wochen auch bestätigen.

Am letzten Freitag gabs mal wieder eine kleine Feier im “Danny Doolans”. Inzwischen habe ich auch endlich mein T-Shirt bekommen, das man erhält, wenn man acht verschiede Biere dort trinkt.

Moa aus PalestinaNicks AbschiedsfeierMax aus BerlinUnknown KiwisDanny DoolansLive-Band im Danny DoolansDanny Doolans



Into the wild

Ich finde es ein wenig schade, dass sich unter den anderen deutschen Praktikanten, die ich bisher hier kennenlernen durfte, kaum ein weiterer richtiger „Wanderfreund“ finden lässt. Es stimmt zwar, dass man hier auch direkt vom Auto aus oder nach einem 200 Meter langen Spaziergang auf sandalentauglichen Touristen-Autobahnen tolle Landschaft zu sehen bekommt, aber so richtig spaßig und erlebenswert wird das Ganze für mich irgendwie nur, wenn man sich auf Trampelpfaden durch Bäche und Matsch kämpfen kann, um dann zwar erschöpft, aber zufrieden das Ziel zu erreichen. Ein paar Mal durfte ich das glücklicherweise schon erleben, meist zusammen mit meinen Arbeitskollegen oder anderen „Nicht-Deutschen“.
Bei meiner Weiterreise auf die Südinsel möchte ich auf jeden Fall auch ein paar Mehrtages-Touren in Angriff nehmen. Vielleicht finde ich ja dann vor Ort kurzfristig noch jemanden, der mich begleitet.
Starten möchte ich meine Tour möglichst bald. Vermutlich werde ich am Montag erstmal für zwei Tage Richtung Norden fahren, dann Weihnachten mit meinen deutschen Kollegen hier an einem Strand in der Nähe von Auckland verbringen und anschließend dann endgültig meinen Trip in den Süden beginnen.
Ein Auto für meine Reise habe ich am Mittwoch von Bon bekommen, einem Arbeitskollegen und guten Freund, der seinen Eltern auf den Philippinen in den Ferien einen Überraschungsbesuch abstatten will. Eine supernette Sache, für die ich ihm immer noch unendlich dankbar bin. Mit einem Auto fühle ich mich jetzt endlich auch richtig flexible.
Nur noch wenige Tage also, und ein nächstes Kapitel auf meiner Reise kann beginnen. Bis dahin gibt es noch einiges zu erledigen und so viele Leute, von denen ich mich noch verabschieden will (das Abschied nehmen wird ja allmählich zur Gewohnheit), aber ich freue mich schon richtig darauf, endlich das „richtige“ Neuseeland zu entdecken.

Wünsche euch bis dahin allen eine angenehme und besinnliche Vorweihnachtszeit in Deutschland und anderswo. Genießt die Plätzchen und den schönen Schnee (falls vorhanden). Ich muss darauf in diesem Jahr leider verzichten. :-)


Last, but not least, ein paar - mehr oder weniger - weihnachtliche Photos aus dem sommerlichen Auckland.

Schicke Boote im HafenChristmas TreeWeihnachtsbeleuchtung in meiner HoodChristmas in the parkSommerliche WeihnachtsstimmungUnerwarteter Besuch in unserer WGNiedlicher Mini-Schnuffel

Comments

One Response to “Aotearoa – eine Zwischenbilanz”

  1. jan
    Dezember 18th, 2008 @ 14:29

    wenn du wandern willst, dann verlasse die nordinsel so schnell es geht.

    fahr nach te anau und mach alle tracks, die da in der umgebung sind. touris sind meistens nur in queenstown und machen höchsten den routeburn track (der auch richtig richtig geil ist). schau dir auf alle fälle auch die gletscher an. der fox ist nicht ganz so überlaufen.
    ich würde gerade so gerne mit dir tauschen :(

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